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Heldenstadt Leipzig

Schon alle meine Tage sagen die Leipziger „Wir gehen in die Stadt“ und meinen den relativ kleinen inneren Stadtkern, innerhalb der ringförmigen breiten Straße. Das war auch vor hundert Jahren schon so. Das mittelalterliche Leipzig war von Mauern und Gräben umgeben. Diese machten zu Beginn der Neuzeit breiten Straßen Platz. Das blieb auch nach den verheerenden Bombenangriffen im zweiten Weltkrieg so. In anderen Städten, wie Dresden, Chemnitz und Plauen, die gleichermaßen zerstört wurden, schufen gescheite Architekten neue städtische Strukturen und zerstörten diese so zum zweiten Male. Leipzig blieb davon Gott sei Dank verschont. Lediglich einige wenige Gässchen fielen den Bomben zum Opfer und wurden mit DDR-Platten-Architektur bebaut. Mittlerweile wurden die meisten dieser Bauten abgerissen und durch etwas geschmackvollere Häuser ersetzt. Jeder der das Messeamt am historischen Marktplatz noch in Erinnerung hat, wird mir Recht geben.

Zwischen den profanen Bauten ragen die Türme der beiden Kirchen, der Thomaskirche Heimstatt der Thomaner, Touristenmagnet allererster Güte und als Arbeitsstelle Bachs Weltkultur. Im Gegensatz dazu die Nikolaikirche, Geburtsort der demokratischen Bewegung in der DDR, der Montagsgebete und später der Montagsdemos, ein deutsches Nationalheiligtum. Im Westen des inneren Ringes liegt die „Runde Ecke“, die ehemalige Stasizentrale, auch heute noch bedrückend. Zielpunkt der Montagsdemonstrationen. Was lag also näher für die Demonstranten als über den Ring zu ziehen. Bei der größten Demonstration damals, am 9.Oktober 1989, als in den Seitenstraßen Polizei und Kampfgruppen aufmunitioniert auf den Lastautos auf ihren Einsatz warteten, marschierten die letzten Demonstranten los, als die ersten schon wieder um den Ring herum waren. Der Einsatzbefehl kam nicht und das war auch das Ende von der DDR.