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Dr. Jürgen Schneider

wie ein Immobilienspekulant das Leipziger Stadtbild veränderte

Dr. Jürgen Schneider aus Königstein bei Frankfurt kam gleich nach der Wende nach Leipzig. Vorher hatte er als Bauunternehmer und Immobilienmogul Nobelimmobilien im alten Bundesgebiet en masse aufgekauft, saniert und kräftig Schulden gemacht. Fast zwei Milliarden waren es damals schon.

Das hinderte ihn aber nicht in Leipzig ab 1991eine Kaufwut ohne gleichen zu entfalten.

Er kaufte den Barthels Hof, 60% der Mädler-Passage, Romanus-Haus, Zentral-Messe-Palast, Webers Hof (Hainstraße 1, 3 und 5) kaufte er auf der gleichen Straßenseite auch den Jägerhof (Nummer 17/19). Auf der gegenüberliegenden Seite der Hainstraße gehörten ihm die Gebäude mit den Nummern 10, 12 und 14.

Außerdem kaufte er die Hainstraße 21, Steibs Hof in der Nikolaistraße, Thiemes Hof in der Querstraße, Wünschmanns Hof am Dittrichring, das Teehaus im Thomaskirchhof 11, das Geschäftshaus Thomaskirchhof 20, das Stadtpalais Bernhard-Göring-Straße 64 sowie die Kroch-Villa in der Ferdinand-Lassalle-Straße 22. Im Barfußgäßchen gehörten die Häuser 11, 13 und 15 einem Immobilienfonds, an dem Schneider den Löwenanteil hielt. Zudem besaß er mit der JUS AG eine nur in Leipzig tätige Firma, die weitere 15 Häuser erworben hatte.

Insgesamt soll er sich dafür bei 22 Banken 1,2 Mrd. Mark geborgt haben. Nach Erwerb der Häuser wurde begonnen diese aufwändig zu sanieren. 1994 war der ganze Spuk vorbei. Dr. Schneider war insolvent und in Florida und viele kleine Baufirmen, die als Subunternehmer in Vorleistung gegangen waren bekamen kein Geld. Die Banken mußten feststellen, daß die Häuser viel weniger wert waren, als sie Kredite ausgereicht hatten. Keiner wußte so recht, wie es mit der Sanierung weiter geht. Man hatte Angst, dass die halbfertigen Häuser zu Ruinen verkommen. Am Ende fand sich aber für fast jedes eine Lösung.

In einem der aufsehendsten Prozesse der Nachkriegsgeschichte wurde Dr. Schneider, nachdem er in Miami verhaftet wurde, zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt. Davon mußte er zwei Drittel absitzen. Die Bankschulden von 1,3 Mrd. DM wurden als Verlußte abgeschrieben. Am Ende war der Steuerzahler wieder der Dumme.

Alles in Allem wäre die Leipziger Innenstadt ohne Dr. Jürgen Schneider mit Sicherheit um einige Attraktionen ärmer.