Als im Oktober 1765 Johann Wolfgang Goethe 16jährig nach Leipzig kommt, um hier Jura zu studieren, ist das für ihn ein Kulturschock. Er fühlt sich wie der Bauernbursch vom Lande, der in die Großstadt kommt. Aus dem verschlafenen und altväterlichen Frankfurt in eine pulsierenden Metropole des Rokoko. Vom Vater zum Jurastudium befohlen, altmodisch angezogen und dazu auch noch eine Sprache von vorgestern. Das alles ist nicht gerade prickelnd für einen jungen Mann.
Aber Goethe wäre nicht Goethe gewesen, wenn er nicht das beste daraus gemacht hätte. Von Haus aus mit ausreichend Geld versehen, verschaffte er sich zuerst das passende Outfit. Aus den besten bürgerlichen Kreisen stammend und mit den entsprechenden Empfehlungen versehen hatte er natürlich sofort Zugang zur Leipziger High Society.
Ziemlich von sich eingenommen begann ihn das Jura-Studium bald zu langweilen. Vieles wußte er schon durch den Unterricht seines Vaters. Spannender waren da schon Gellerts Literaturvorlesungen. Hier wurde vor allem stilistisch gearbeitet. Nun war aber zu dieser Zeit Gellert auch nicht mehr der jüngste und die Scene waren eher Autoren wie Lessing oder Wieland, von denen war aber in den Vorlesungen nichts zu hören.